Unten im schwarzen Pelicase die Arca Swiss mit Zubehör, darüber in der schwarzen Tasche das Digital System, links in der grün/orange/schwarzen Tasche Filme, Belichtungsmesser und Filter, oben drauf das Stativ. Gesamtgewicht rund 34 Kilo. Normalerweise nehme ich entweder nur den schwarzen Koffer oder nur die schwarze Tasche mit, nicht beides. Das war eine Ausnahme, weil ich das Setup festhalten wollte.


Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect.
— Marc Twain


Werkzeugträger • Tool carrier • Carro de herramientas

Mann ist ein Mann. Mann kann heben, tragen, schleppen, bewegen. Tonnen, wenn es sein muss. Und es muss sein, denn Mann will ja nicht als Weichei angesehen werden.

Oh Mann! Wie viel Tonnen Steine, Mutterboden, Getränkekisten, Möbel, etc. habe ich — Mann — in meinem Leben bewegt und geschleppt. Ach komm her, da passt noch ein Klavier auf die andere Schulter. Bewegung tut gut, Gewicht spart die Mucki-Bude. Als ehemaliger Ruderer und Gewichtheber steckt Mann das doch locker weg.

Aber der Körper vergisst nicht. Irgendwann knarzen die Gelenke, die Bandscheiben wandern dorthin, wo sie definitiv nicht hingehören, klemmen Nerven ein, der Schmerz kommt. Noch 3 oder 5 oder mehr Kilometer mit dem Koffer und Stativ laufen wird schwer und ist — eigentlich — Schwachsinn. Aber Mann gibt sich keine Blösse, Mann ist ja ein ganzer Kerl…

Vor 3 Jahren bin ich zu Fuss mitten im alten Elbtunnel (dem für Autos und Fussgänger mit Lift) stecken geblieben. Die grosse Fototasche mit insgesamt rund 15 Kilo Gewicht plus Stativ waren zu viel, nachdem ich mir einen Nerv eingeklemmt hatte. Also fing ich, nachdem ich es wieder nach Hause geschafft hatte, an, zu suchen. Eine anständiges Transportmittel musste her. Nur gab es keins für meine – zugegeben sehr grosse Tamrac Pro 12 – Fototasche oder den Koffer für die Fachkamera. Ich hatte diverse DIY Bauten gesehen, denen als Basis ein Andersen Trolley diente (zum Beispiel hier). Aber 40 cm Breite für das Transportgut waren zu wenig, und ein Umpacken kam nicht in Frage.

Ich hatte mal so ein Teil, einen Trolley für Koffer, aber leider sind die Griffe der Dinger zu niedrig, d.h. ich muss mich beim Ziehen bücken, und in der nächsten Strassenbahnschiene oder einem kleinen Schlagloch oder an einem Bordstein bleibt das Ding hängen und reisst einem aus der Hand, weil die Räder zu klein sind. Dann liegt der ganze Kram am Boden — nicht sonderlich prickelnd und daher höchstens für eine Notlösung geeignet. Abgesehen davon haben sie Plastikräder, die einen Höllenlärm auf Kopfsteinpflaster, in Fussgängerzonen oder unebenen Industriearealen verursachen.

Vor zwei Wochen war ich wieder mal unterwegs. Das Gewicht der Tamrac-Tasche hatte ich nach etwas Aus- und Umpacken auf 11 Kilo reduziert, dazu das Stativ. Ich musste mich beeilen. Am Ziel hing die Zunge gefühlt auf dem Boden, der Schweiss lief mir am Körper herunter. Jetzt muss wirklich eine Lösung her.

Das muss das Universum gehört haben, denn bei meiner Suche wurde ich bei ebay Kleinanzeigen fündig: Ein gebrauchter 3-Wheeler Push-Pull Golf Trolley für wenig Geld. Mit kugelgelagerten Speichenrädern und Luftbereifung mit 31 cm Durchmesser und 6 cm Breite. Spurweite 60 cm. Sackt in weichem Sand nicht ein. Läuft flüsterleise auf jedem Untergrund, sogar auf Split. Vorne ein Doppelrad mit Gummibereifung. Zusammenfaltbar. Mit stufenlos höhenverstellbarem Handgriff bis 160 cm Griffhöhe. Schreibfläche im Griff integriert. Gewicht weniger als 5 Kilo. Alles aus Stahl, noch richtig verschraubt mit DIN Schrauben und selbstsichernden Muttern. Der ist von »Früher (!)«: Solide und stabil ohne Ende. Den kann ich vererben…

Ich habe ihn zerlegt, alle Teile gereinigt, alle Lager gefettet, Schrauben nachgezogen. Ein leichtes Anticken, und er rollt die Strasse entlang. Mit 34 Kilo belastet, d.h. mit dem Koffer mit GF und der Tamrac mit Inhalt plus Stativ. Es hat ihn nicht gestört, und mich noch viel weniger. Ein paar Doppelklemmen daran montiert, damit weder der Koffer noch die Tasche an den Rädern schleifen. Perfekt. Das Stativ liegt in den Halterungen, die früher den Golfsack gehalten haben. Würde ich ohne den Trolley beide Ausrüstungen mitnehmen? Nein, niemals. Das wäre unmöglich, auch vor 30 Jahren hätte das nicht funktioniert, nicht auf langer Strecke.



Eigentlich ist Mann bescheuert, oder? OK, früher (!) für das Haus hatten wir eine Sackkarre, aber unterwegs brauchte Mann so etwas doch nicht. Sie war ja auch nicht faltbar und hätte niemals in den Kofferraum gepasst. Bis — siehe oben — die Gelenke knarzten oder die stechende Schmerzen bis in den Fuss zogen. Oder beides gleichzeitig.

Jetzt hat Mann (= ich, der Autor) also ein solides Transportmittel für seine Fotoausrüstungen. In Zeiten, wo die Innenstädte immer mehr für Autos abgeriegelt und Parkplätze direkt vor den Objekten rar oder gar nicht mehr vorhanden sind, ist das Wägelchen der ausschlaggebende Faktor zwischen TOP oder FLOP. Sie mögen jetzt einwerfen, dass ich mir doch einen Assistenten nehmen könnte, der die Sachen trägt. Nein, warum soll ich jemanden anderes verschleissen? Jeder sollte (!) versuchen, sich das Leben so einfach wie möglich zu machen.



Da sich die Berufsgenossenschaft in unserem Bereich nicht darum kümmert (die hat nur den Bausektor mit schweren Zementsäcken auf dem Kieker), mache ich es eben selbst. Auf die Frage, warum ich nicht schon früher auf den Trichter mit einem Golf Trolley gekommen bin, habe ich keine Antwort. Mann eben. Der kann das. Klar kann ich das, aber jetzt habe ich keine Lust mehr zu schleppen, nachdem ich von dem Apfel der Erkenntnis gekostet und festgestellt habe, dass es einfacher geht.

Mit dem Golf-Trolley habe ich Beste aus allen Welten: Sicheren Schutz meiner Ausrüstung mittels hochwertiger Koffer und Taschen, die schon vorhanden sind, und zusätzlich einen butterweichen, soliden und einfachen Transport. Der ganze Firlefanz, der von der schrägen Fotozubehör-Industrie extra für ‘Profis’ angeboten wird, ist überteuerter und schlechter Mumpitz, denn da sind die Räder viel zu klein (siehe oben). So ein Ding kann Mister Wichtig (= »Möchtegern-Profi« oder »Edelamateur«) höchstens locker durch den Airport ziehen, aber nicht durch Feld, Wald, Wiesen und über Bordsteine in Städten oder auf Industriearealen. Lesen Sie hierzu auch die Abhandlung von Dr. Schuhmacher.

Last but not least lässt er sich wunderbar zusammenlegen und findet mit rund 70 x 47 x 25 cm Aussenmass auf einem Sitzplatz auf der Rücksitzbank oder im Kofferraum Platz. Aufgebaut ist er in rund 10 Sekunden, zusammengelegt in rund 30 Sekunden.



Glück am Rande: Die Verstärkungsrippen des GF-Koffers rasten exakt in meinen auf dem unteren Rahmen montierten Doppelklemmen ein (im letzten Foto zu erkennen), somit ist die Ladung gesichert und schleift nicht an den Rädern.

Der Trolley lässt sich so voll beladen wie hier gezeigt sehr gut über Bordsteinkanten und immer noch recht gut über Stufen, wie z.B. einer kurzen Treppe oder ein paar Stufen zu einem Absatz, hoch ziehen. Da knarzt und kippt nichts. Ein paar Stufen nach unten geht auch, wenn man ein gewisses Grundgewicht und Kraft hat, um der Schwerkraft zu widerstehen. Der erste Einsatz war übrigens bei einer Dokumentation in einem Park.

Hatte ich schon erwähnt, dass er eine Bremse hat? Nun, um genau zu sein: er hat einen Feststeller wie die Kinderwagen, der nach dem Aktivieren automatisch ein Hinterrad blockiert, sobald sich der Trolley etwas bewegt.

Das Sahnehäubchen: Wenn ich Outdoor-Portraits mache, kann ich das Stativ mit einem Blitz incl. 100er Deep Octa am Griff des Trolleys via einer Manfrotto Doppel- oder Kreuzklemme befestigen, damit der Blitz bei Wind nicht umkippt. Der Trolley mit Tasche und einem Gewicht von ca. 12 Kilo als »Multifunktionswerkzeug« wird dafür sorgen, dass der Blitz stehen bleibt.